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Tasso Meerane Fassadengestaltung Graffiti |
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Tasso kommt aus der kleinen Stadt Meerane in der Nähe von Chemnitz. Er fing mit seinem 19. Lebensjahr (1985) an sich für Graffiti und der damit verbundenen Szene zu interessieren. Ein Grund dafür waren Filme wie Style Wars und BeatStreet welche zu dieser Zeit in der ehemaligen DDR, b.z.w. im ZDF ausgestrahlt wurden. Leider wurden 1986 aus politischen Gründen über Nacht alle Farbspraydosen aus den Geschäften genommen um zu vermeiden das gegen die DDR gerichtete Parolen an Wänden angebracht werden konnten.
Vorerst nahm sich Tasso erst einmal anderen Dingen an, bis dann die Wende kam. 1991 mit seinem 25. Lebensjahr wagte er sich dann zum zweiten Mal an die Dose. Bis 1993 sprühte Tasso aber gerade mal drei Bilder so das er selber 1994 als sein eigentliches Startjahr bezeichnet.
Mit BART gründete er dann die StyleWandBombers, welche sich aber 1998 wegen Passivität der Crew wieder trennten. Im selben Jahr gründete er mit ANIZ ( Dessau ) die DSA-Crew (Deutschlands schönste Arschlöcher).
Aus persönlichen Gründen trat Tasso aber aus dieser wieder aus. Später fanden sich Rusk, Case , Akut und er zusammen und gründeten die Ma`Claim-Crew. Heute sind sie eine der bekanntesten Crews in Deutschland und begeistern immer wieder mit Ihren fotorealistischen Styles. Tassos Talent geht weit über Graffiti hinaus. Er ist kein normaler Writer, vielmehr ein Künstler. Er entwirft Plakate, Flyer, Aufsteller, Wandbilder, Gemälde, Graffitis und kann mit dem Pinsel mindestens genau so gut umgehen wie mit der Dose und Airbrush. Er ist ein Multitalent und macht das ganze inzwischen auch nicht nur für sich. Er macht zahlreiche Auftragsarbeiten und ist auf großen Events wie dem Splash wieder zu finden um die Welt mit seinen oft fotorealistischen Kunstwerken und seinem Talent zu begeistern und oft zu verwundern.
Q: Du benutzt nun seit über 10 Jahren den Namen Tasso ohne diesen zu wechseln. Wie bist Du zu diesem Namen gekommen und was bedeutet er für Dich?
A: Die ersten Tags und auch mein erstes Piece sprühte ich ja noch unter GESHWAY. TASSO war aber schon seit Jahren mein Spitzname. Meine Eltern hatten mal einen Hund, der Dasso hieß und aus Gründen, auf die ich hier lieber nicht näher eingehen möchte, nannten mich meine damaligen Kumpels auch so. Ich änderte dann die Schreibweise und nahm es als mein Tag. Zwischendurch musste ich natürlich schon auch auf einige andere Namen zurück greifen, da ich mit TASSO ja meine legalen Bilder und Auftragsarbeiten signierte.
Obwohl ich die doppelten S zum Stylen total bescheuert finde und auch immer wieder merke, dass die meisten Styler, die es mir mal ins Blackbook malen, ihre Probleme damit haben. Trotzdem bin ich der einzige und echte TASSO auf der Welt. Auch wenn mich ein so genannter „echter“ Künstler, der diesen Name ebenfalls benutzt, schon mal daraufhin verklagen wollte, dass ich diesen nicht mehr verwenden darf. Von da an nannte ich mich eben el Kitsch-TASSO, was ja auch ganz gut zu mir und meinen Bildern passt.
Q: Wie standen Deine Familie und Deine Bekannten damals dazu, dass Du Dich diesem `Schmiererpack´ verschworen hast und vor allem was sagt Dein Umfeld heute dazu?
A: Dadurch dass ich ja schon volljährig war, hat mich das nicht sonderlich interessiert. Meine Mutter bekam das ja schon mit, wenn ich nachts mit klapperndem Rucksack aus dem Haus bin. Und die hatte dann natürlich schon die typischen „Muttiängste“. Meine Kumpels von damals fanden das alle ziemlich geil, dass in unserem Nest mal einer mit Sprayen anfing.
Heute sind meine Eltern natürlich mächtig stolz auf mich, zumal ich in meiner Heimatstadt genau so bekannt bin wie der Bürgermeister. Trotzdem kommt schon mal der Spruch, was machst Du denn (beruflich), wenn das mal nicht mehr Mode ist. Die denken halt immer noch, das wäre nur so ein zeitlich begrenztes Ding, was irgendwann vorbei ist und man nie wieder sprüht.
Ein Problem gibt es eher mit Kunden und Passanten beim Sprühen, die meine Sachen dann immer als tolle Kunst finden und die ekligen Schmierereien kritisieren und auf meine (erwachsene) Zustimmung hoffen, ich dann allerdings gleich sage, dass ich auch illegal angefangen habe, das es gar nicht anders geht, zu wenig legale Flächen da sind und dass man nicht erwarten kann, dass ein Jugendlicher, der sich von seinem Taschengeld ein paar Dosen zusammen gespart hat, unter Zeitdruck und im Dunklen nicht annähernd solche Bilder malen kann, wie ich es als Auftrag und legal bei Tag mache.
Q: Eine Menge Anfänger zeichnen Monate lang bevor sie wirklich mal raus sprühen gehen und andere kopieren Formen und Style um sich schneller zu entwickeln. Wie hast Du angefangen? Gab es irgendwelchen Vorbilder für Dich in der Szene? Vielleicht in den USA?
A: Oh ja, ich fand fast wöchentlich irgendeinen Writer geil, den ich dann erst mal aufs Härteste gebitet habe. Das waren allerdings auch ständig verschiedene Stile, angefangen bei den traditionellen Sachen, Wildstyle, 3D bis hin zu den Illstyles. Am Ende hab ich dann irgendwo mal was Fotorealistisches gesehen und habe gedacht, das müsste ich mal probieren und merkte sofort, DAS ist mein Ding.
Die Amis haben dabei keine herausragende Rolle gespielt. Ich verehre natürlich die Oldschool-Heroes, stehe aber auf alles mögliche abgefahrene Zeug. Kaum fotorealistische Motive von anderen.
Eine seiner ersten Skizzen `85
Eines seiner ersten gesprühten Bilder
Q: Dein heutiger Stiel ist ja wie bekannt sehr perfektioniert? Was hat Dir bei dieser enormen Entwicklung geholfen? Bist Du auf eine Kunstschule gegangen und wie häufig hast Du damals geübt?
A: Kunstschulen und ähnliches verabscheue ich. Ich hatte früher schon ein Problem mit meinem Kunstlehrer und später mit der „realen“ Graffitiszene, die alle ein Problem mit meinem Fotorealismus hatten. Und ich brauche echt keinen, der mir erzählt, was ich wie richtig machen muss. Ich bin, glaube ich, alt genug, um selber zu entscheiden, wie ich ein Bild malen muss, damit ich (und nicht andere) zufrieden bin!
Ich glaube, mir hat sehr geholfen, allen möglichen Scheiß zu malen (Pflanzen, Tiere, Landschaften), um erst mal Strukturen, Unschärfe, dünne Linien, Fadings, u.s.w. zu lernen.
Q: Oft findet man in Deinen Arbeiten Einflüsse aus historischer Kunst wieder. Beschäftigst Du Dich viel mit alten Künstlern wie Picasso oder Dali?
A: Auf jeden Fall. Angefangen von Disney, Hannes Hegen und Albert Uderzo. Dann kamen erst mal die ganzen Writer, die alten Meister und so nach und nach beschäftige ich mich auch mit Sachen, die ich vorher eigentlich gar nicht so gut fand, weil es abstrakt war. Doch inzwischen weiß ich, dass diese zu ihrer Zeit absolut progressiv und wegweisend waren. Wenn allerdings heute einer glaubt, wenn er/sie rumkleckst und spritzt, geometrische Figuren und komische Strichmännchen malt, irgendwas Neues oder Besonderes zu machen, dann soll er sich mal mit Kubismus, Dadaismus u.s.w. beschäftigen und wird merken, dass alles schon mal da war (ja, auch Fotorealismus!).
Derzeit lese ich gerade die Biografie von Gottfried Helnwein „Kunst muß sein wie Rockmusik“ und fahre auf diesen Typen total ab.
Andere Favoriten sind z.B. Warner Vacari, M.C. Escher, Spitzweg, Canaletto, C.D. Friedrich, die Fotografen la Chapelle und mein persönliches Vorbild John Heartfield.
Q: Ist das Entwickeln von Buchstaben für Dich noch wichtig, oder konzentrierst Du Dich ausschließlich auf das Erschaffen neuer Figuren und Kunstwerke?
A: Wenn ich Bock habe, mach ich schon mal Style. Aber entweder experimentiere ich da was mit Fotos rum oder es sieht halt absichtlich abgefuckt aus.
Aber keine Frage, Style ist Real Graffiti (und ich mach Graffoto!).
Auf den Rest muss ich mich nicht konzentrieren, das passiert von ganz alleine.
Q: Ich höre immer wieder von den älteren Mitmenschen das Graffiti im Grunde sehr hübsch sei, sie aber nicht verstehen das alles immer so unleserlich geschrieben wird. Und das macht das Ganze recht unbrauchbar für Menschen die mit den Formen nicht klar kommen. Denkst Du das es wichtig ist Buchstaben leserlich zu malen um eine Botschaft rüber zu bringen oder zählt für Dich der gesamte Eindruck und das Wort ist eher zweitrangig?
A: Die Anderen sollten einem in jedem Fall erst mal egal sein. Wenn ich allerdings bomben würde, was ich natürlich nicht mache, ginge es mir darum, für meinen Namen Werbung zu machen. Und in diesem Fall wäre mir die Lesbarkeit wichtig. An einer legalen Wand wiederum finde ich, dass es bedeutend mehr auf Kreativität als auf Lesbarkeit ankommt.
Allerdings fände ich es bei Bombings auch geiler, wenn die Worte öfters mal einen Sinn oder eine Botschaft hätten (a la „Meine Wand“ oder „Gebt den Beton frei!“).
Q: Was macht für Dich einen guten Writer aus? Das Verständnis für Kunst und eine gewisse Sauberkeit der Bilder, wie weit er seinen Namen verbreitet hat, oder die Idee und Aussage die Hinter seinem Kunstwerk steckt?
A: Aktiv sein und tolerant Anderen gegenüber.
Q: Von Grund auf ist Graffiti ja ein politisches Ding. Menschen haben Parolen an Wände gesprüht um auf Missstände aufmerksam zu machen. Haben Deine Bilder einen politischen Background oder ist das vielmehr Just for Fun?
A: Je nachdem! Aber Politik interessiert mich bei Bildern nicht vordergründig. Ich stehe mehr auf witzige Sachen, geile Optiken, modernes Design. Bilder mit Platitüden wie „Fuck Bush“ und „Stop war“ kämen mir nicht in den Sinn. Ich finde Leute gut, wie den Karikaturisten Haderer. Der trifft es originell auf den Punkt. Witzig und so, dass es jeder versteht. Auch John Heartfild war ein Meister in der sarkastischen Darstellung politischer Themen.
So lange ich nicht DIE zündende Idee habe, lasse ich lieber die Finger davon.
Q: Wirklich gute, helfende Workshops zum Thema Farben/Formen/Gestaltung sind leider in öffentlichen Medien rar. Von dem Angebot über Fotorealismus muss man gar nicht erst sprechen. Hast Du schon mal darüber nachgedacht, mit Deinem Talent Anfängern zu helfen und eventuell Tipps und Tricks zum Beispiel über das Internet zu veröffentlichen?
A: Wenn ich es zeitlich schaffe und den richtigen Kameramann finde, werde ich dieses Jahr eine CD zusammen stellen, wo ich einiges erkläre und zeige, was Anfängern oder anderen FotoREAlisten hilfreich sein könnte.
In einem Airbrushmagazin namens „Airbrush, Art und Action“ habe ich schon mal Step by Step die Entstehung einer fotoREAListischen Fassade erklärt.
Per Mail werde ich oft Verschiedenes zu meinem Malstil und der Technik gefragt. Da fehlt mir aber meist die Zeit, immer ausführlich alles beantworten zu können. Sorry an alle, die ich da oft zu kurz abfertigen muss.
Q: Viele entwerfen Grafiken für Sticker oder Flyer am PC oder verstärken mit entsprechenden Programmen die Konturen von Fotos um sie dann abzuzeichnen und zu sprühen. Magst Du uns einen kleinen Einblick in Deine Vorgehensweise geben, wenn Du ein Bild entwirfst? Interessant ist auch welche Untergründe Du bevorzugst und wann Du welche Art von Farbe nimmst.
A: Also am Computer bin ich totaler Laie . Der ist mir überhaupt keine Hilfe. Ich notiere mir meist meine Bildideen oder mache eine grobe Skizze dazu. Danach kümmere ich mich um Vorlagen, die ich meist und am liebsten selbst fotografiere und der Rest passiert an der Wand.
Bei Ma`Claim sieht das schon anders aus. Da macht AKUT oder CASE schon vorher alles am PC fertig.
Untergrund und Farbe sind mir Wurscht. Ich denke ein guter Writer sollte (immer mit allen Gegebenheiten) bei beiden mit allem klar kommen (auch wenn man natürlich seine Lieblingsdosen, -Farbe hat: TASSO-Penisrot!!!)
Q: Reist Du in andere Länder um Einflüsse für Deine Kreativität zu sammeln oder was tust Du um Dir immer wieder neue Ideen für Motive einfallen zu lassen?
A: In andere Länder reise ich immer schon mit Ideen, die ich dort umsetzen will. Diese bekomme ich ständig und überall. Aber am liebsten beim Rumspinnen mit meinen Ma`Claim-Jungs auf Partys oder auf gemeinsamen Fahrten.
In anderen Ländern lerne ich lieber Leute und Sitten kennen und erlebe bewusst die unterschiedlichen Kulturen.
Q: Was motiviert Dich immer weiter zu machen? Gibt es da vielleicht eine Muse die Dich inspiriert? Vielleicht eine Frau oder Freundin?
A: In erster Linie motiviert mich mein Ehrgeiz möglichst viele meiner Ideen umzusetzen, bevor ich irgendwann das Zeitliche segnen werde. Dazu kommt natürlich ein gewisses Geltungsbedürfnis und nicht zu vergessen, da ich ja davon lebe, eine finanzielle Notwendigkeit. Musen gibt es viele. Meist schon schöne Frauen und oft die, die gerade in meinem Leben eine Hauptrolle spielt. Wenn man meine Bilder der letzten Jahre anschaut, wird man auch erkennen, dass die dann gleichzeitig mein Lieblings-Modell ist.
Q: Viele Menschen bewundern die Graffitikunst nur und probieren es aber nie selber aus, weil sie Angst haben sich zu blamieren oder mit dem Gesetz in Konflikt zu geraten. Konntest Du in den Jahren andere Personen in Deinem Umfeld zur Malerei bewegen?
A: Nachdem ich jahrelang erfolglos versucht hatte, den Nachwuchs in meiner Heimatstadt Meerane zu fördern und zu unterstützen, denke ich inzwischen, wer wirklich malen will, wird es auch ohne meine Kommentare schaffen.
Ich gebe zwar beim Integrationswerk Chemnitzer Land arbeitslosen Jugendlichen Unterricht und halte auch ab und zu Workshops ab, aber was man daraus macht, muss jeder selber entscheiden.
Q: Die MacLaim-Crew gibt es jetzt bereits seit 6 Jahren und es hat sich auch an der Writeranzahl nichts verändert. Alle vier Gründungsmitglieder ( Case, Akut, Rusk und Du ) sind immer noch ein Team. Wie wichtig ist Dir die Crew?
A: Erst mal zur Schreibweise: Ma`Claim ! Uns gibt es seit 2001 ! Ist schon topwichtig. Wobei ich, nachdem wir einiges an Zielen erreicht haben, wieder verstärkt daran arbeiten möchte, als Einzelperson TASSO nicht in dem ganzen Ma`Claim-Rummel unter zu gehen. Mit den Jungs, das sind Freundschaften, die über Graffiti hinausgehen. Doch bei dem ganzen Stress des letzten Jahres, die ständige Präsenz auf Jams und beim W4G, habe ich manchmal das Gefühl, dass für mich der Spaß-Faktor ein bisschen flöten geht. Wir sind als Crew halt ziemlich diszipliniert und ehrgeizig. Doch da ich das in meinem Job schon dauernd habe, will ich mich bei Graffiti in der Freizeit auch mal austoben und chillen, ohne andauernd daran denken zu müssen, dass man sich seinen Ruf versauen könnte.
Q: Ma`CLaim schaffen es immer wieder in Writermagazine zu kommen. Viele Bewundern Euer Tun und Können. Ist Euch Fame überhaupt noch wichtig oder fühlt Ihr Euch einfach nur geehrt, im Prinzip ist es Euch aber egal was andere denken?
A: Dass es uns das egal war, was Andere über unsere Sachen denken, war vor allem in der Zeit wichtig, als alle noch wie Sau photoREAListische Graffitis gedisst haben. Nur so konnten wir die Jahre überstehen, einen eigenen Stil finden und uns letztendlich auch durchsetzen.
Mir ist Fame auf jeden Fall wichtig und da glaube ich auch für die Jungs sprechen zu können. Aber er ist und war nie vordergründig. Was andere über die Bilder denken ist letztendlich egal, denn wir malen sie ja in erster Linie für uns und nicht für ein Publikum. Wenn mich also CASE, AKUT oder RUSK kritisch auf ein Bild hin ansprechen würden, gäbe mir das schon zu denken, weil wir ja gemeinsam funktionieren wollen. Mit anderen habe ich das nicht vor und da ich ganz genau weiß, was ich erreichen will und wie ich es umsetzen kann, lass ich mir da eigentlich auch von keinem mehr rein reden.
Auch dieser Traum, mit dem oder dem bekannten Writer mal zu sprühen, ist einfach nicht mehr da, da sich die unterschiedlichen Stile gar nicht mehr zwingend vertragen würden. Dagegen bin ich aber letztes Jahr extra nach Innsbruck gefahren, um mit ROK2 zu malen, dessen Bilder ich kannte und absolut umwerfend fand, auch wenn er (im Moment) noch nicht so riesig bekannt ist.
Q: Wie stehst Du zu dem Begriff `Graffiti´? Hat das Wort für Dich überhaupt noch eine Bedeutung? Du machst ja ausschließlich legale Kunst und bist mit dem Pinsel oder mit Airbrush mindestens so Begabt wie mit der Dose.
A: I love Graffiti! - I do Graffoto!
Graffiti ist für mich kreative Darstellung mit Spraydosen auf Wänden, Zügen, Leinwänden etc. Nicht nur Style, denn schon im Spraycan Art und Subway Art waren reine Characterbilder zu sehen oder der total abstrakte Wholecar von Futura 2000, auf dem sein Name lediglich als Tag zu geschrieben war.
Legal oder illegal, wer weiß das schon?
Airbrush macht mir keinen Spaß.
Q: Wenn Du Auftragsarbeiten machst, gibt es da Grenzen? Was würdest Du nie malen oder entwerfen?
A: Keine Ahnung. Natürlich will jetzt jeder die korrekte Antwort hören: Ich würde nie was Politisches machen, bla bla bla! Aber es ist mein Job und ich würde es danach entscheiden, inwiefern ich es mit meinem Gewissen vereinbaren kann, bzw. ob es mich reizen würde, die Wünsche eines Kunden um zu setzen.
Da sag ich eher mal nein, wenn mir ein Kunde unsympathisch ist, zu sehr um Preise feilschen will oder etwas haben will, was meinem Stil nicht entspricht.
Q: Viele Sprüher sind der Meinung das es ausreicht loszugehen und seinen Namen so oft wie Möglich in Chrom irgendwo hinzu bomben. Was für eine Bedeutung hat für Dich das Zusammenspiel zwischen Formen und Farben?
A: Chrome hat natürlich auch was, besonders, wenn die Stellen besonders hot oder der Style ein Burner ist. Ich denke, das muss jeder nach seinem eigenen ästhetischen Empfinden entscheiden. Allerdings habe ich schon festgestellt, dass man mit Cromern bei weitem beim „Normalvolk“ nicht mehr auffällt. Diese versinken einfach in der silbernen Masse. Außerdem war ja mal ein Urgedanke des Graffiti, die Welt bunter zu machen. Und Chrom ist nun mal bloß glänzendes Grau.
Q: Eine Großteil der älteren Sprühergeneration meinen das Graffiti längst verloren sei, da kaum einer einen eigenen Stiel hat und sich keiner mehr weiterentwickelt. Wie siehst Du das? Wird heutzutage mehr kopiert als damals?
A: So`n Quatsch! Noch nie hatte Graffiti so eine Vielfalt wie heutzutage. Ich habe mir neulich zum Beispiel das Buch „Urban Calligraphy and beyond“ gekauft. Ein Mörderhammer das Teil. Manche der Sachen habe ich in irgendeiner Art auch schon vor einiger Zeit mal probiert, mich aber nie getraut, es zu veröffentlichen, weil ich immer dachte, das hat ja nun mit Graffiti wirklich nix mehr zu tun. Und dann kommen diese Jungs und stellen alles bisher Dagewesene auf den Kopf. RESPEKT!
Diejenigen sind doch selber dran Schuld, wenn sie lieber biten, anstatt sich etwas Neues, Eigenes auszudenken. Ich habe noch genügend Ideen für ein zweites Leben und nicht überall steht TASSO dahinter!!!
Q: Kannst Du einen Unterschied finden zwischen dem was Du vor 10 Jahren getan hast und dem was Du heute tust?
A: In erster Linie ist es natürlich die Zeit, die ich rein stecken kann und die Ernsthaftigkeit, mit der ich alles betreibe. Eigentlich beschäftige ich mich fast jeden Tag irgendwie mit Malen und Graffiti. Sei es nun das Organisieren von Aufträgen, Leute und Jams besuchen, Leinwände malen, Wände klar machen oder was auch immer. Vor 10 Jahren wars halt „nur“ Hobby und ich hätte nie gedacht, einmal so bekannt zu werden, geschweige denn, davon leben zu können. Dafür war ich damals abends aber nicht ständig zu müde…
Q: Gibt es Maler mit denen Du unbedingt in der Zukunft noch mal losziehen willst um gemeinsame Sache zu machen?
A: Jede Menge!
Q: Danke das Du mir und vielen Sprühern Rede und Antwort gestanden hast und uns so einen Tiefen Einblick in Dein Leben als Künstler gegeben hast. Möchtest Du noch jemanden danken, vielleicht jemanden der Dich all die Jahre unterstützt und an Dich geglaubt hat oder Dir zu Deinem Erfolg verholfen hat?
A: Darfs `ne lange Liste werden? Ich nutz das jetzt einfach mal schamlos aus!!! Steffen Grau (R.I.P.), KIOSK, BART, SONNE, meine Eltern und Großeltern, Cristine, Elei, Gabi, RAMON, Schrö (Miss Claim), OMSK, L&G, Motip Dupli Group, Bernhardt van Treek, M.Äffchen, Roland Maag, Petra Küster, Barbara Salesch, Liz, Frau Maka, F6 light + Radler, ANIZ, die beste Birgit aller Zeiten, EARL, allen Graffitimags, die auch schon vor unserer Bekanntheit Bilder veröffentlicht haben, vielen anderen und natürlich allen Auftraggebern, die ja irgendwie seit über 4 Jahren meine freie Zeit finanzieren und mein Überleben sichern.
Größnitz `94 [ TASSO ] |
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